Hier der Bericht aus der HNA

Dienstag, 03. März 2026, Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) / Lokalsport

VOR ORT
Das Ziel ist kleiner als ein
Marienkäfer

Wilhelmshäuser Schützen haben stärkste Jugendgruppe und feiern
nächsten Titel

Wilhelmshausen – Die meisten werden sich an die Bilder von den Olympischen Sommerspielen 2024 erinnern. Der Türke Yusuf Dikec holte damals die Silbermedaille im Mixed mit der Luftpistole über zehn Meter. Ohne große Hilfsmittel und mit einem Stil, der auf die Zuschauer fast schon lässig wirkte, ging die Geschichte damals viral. Für Deutschland gehörten die Schützenwettbewerbe in Paris zwar zu den weniger erfolgreichen, dennoch genießt der Sport eine immer größere Popularität im Land.
„In der Gesellschaft merkt man schon, dass der Schießsport ein anderes Bild bekommt. Wenn man erzählt, dass man Sportschütze ist, wird man häufig darauf angesprochen“, sagt Noah Schnegelsberg, der einer der Trainer beim SSV Wilhelmshausen ist. Der Verein verfügt aktuell über die stärkste Jugendgruppe im Bezirk Kassel-Wolfhagen und liefert sportlich starke Ergebnisse.

Bei den Bezirksmeisterschaften in diesem Jahr holte die Jugend des SSV gleich achtmal die Bezirksmeisterschaft, dreimal die Silbermedaille und dreimal Bronze. Geschossen wird mit dem Luftgewehr, der Luftpistole und dem Lichtgewehr. Letzteres ist für Kinder unter zwölf Jahren vorgesehen.

„Wir haben 2022 den Schießstand umgebaut. Davor hatten wir noch eine alte Seilzuganlage, inzwischen ist alles elektronisch. Dazu haben wir letztes Jahr die zwei Lichtgewehre beschafft und in unser Schießstandsystem integriert. Es ist eine Menge Arbeit, die in diesem Sport und in unserem Verein steckt“, erklärt Jugendleiter Dirk Schlichtner. Sämtliche negative Klischees oder Vorurteile, mit denen der Schützensport konfrontiert wird, werden beim SSV Wilhelmshausen nicht bedient. „Es gibt natürlich immer Leute, die denken, die Schützen treffen sich zum Bier trinken und Herumballern, aber davon ist nichts wahr. Es ist alles sehr sportlich und professionell. Ebenfalls stört es, wenn der Begriff Waffe im Kontext des Schützensports genutzt wird. Wir schießen auf nichts Lebendiges, sondern auf Zielscheiben. Die Begriffe
Sportgerät oder Gewehr sind angebracht“, befindet Schnegelsberg. In der Vorbereitung auf das Schießen legen die Luftgewehrschützen eine besondere Kleidung an. Diese dient einerseits dem eigenen Schutz, hilft allerdings auch, die Körperhaltung, die beim Schießen von enormer Wichtigkeit ist, einzuhalten.

Geschossen wird mit sogenannten Diabolos. Das sind Kleinkaliber-Projektile aus Blei, die in der Regel einen Durchmesser von 4,5 mm haben. Die Schützen stehen zehn Meter vom Ziel entfernt und versuchen optimalerweise, die Mitte der Scheibe zu treffen. Der kleinste Ring auf der Scheibe hat einen Durchmesser von 0,5mm. Das ist in etwa ein Drittel eines kleinen Marienkäfers. Nach einem Schuss wird dem Schützen das Ergebnis auf dem vorliegenden Display angezeigt. Es ist beeindruckend, mit welcher Präzision die Schützen die Ziele kontinuierlich treffen und Erfolge einfahren.

In den Rundenwettkämpfen belegte der SSV Wilhelmshausen in dieser Saison den ersten Platz und machte am vergangenen Freitagabend den Aufstieg in die Regional
klasse perfekt. „Wir haben vor zwei Jahren ganz unten angefangen und unsere Schützen haben sich jede Saison nach oben durchgeschossen. Unser Ziel ist es, auch im nächsten Jahr den Aufstieg zu schaffen und den Durchmarsch fortzusetzen“, sagt Dirk Schlichtner.

Langfristig ist das Ziel des Vereins, in die Oberliga einzuziehen. „Wir benötigen dafür natürlich noch den einen oder anderen Nachwuchsschützen. Die Altersspanne zwischen 20 und 40 ist bei uns relativ dünn gesät und wir würden uns über Neuzugänge freuen“, sagt Schlichtner. Trotzdem ist man beim SSV zufrieden mit der steigenden Mitgliederzahl im Verein. Bei der 100-Jahr-Feier 2019 betrug die Zahl der Mitglieder 100. Heute sind es 147, was die Vereinsführung insgesamt natürlich sehr positiv in die Zukunft blicken lässt.
(PATRICK SCHEWZYK, HNA)